Funkregulierung & Missverständnisse

Gestern gab es, wie der eine oder andere vielleicht mitbekommen hat, in der IT-Szene und in der Freifunk-Community im Besonderen ein wenig Aufregung über einen auf heise.de veröffentlichten Bericht unter dem Titel „Funkregulierung: TP-Link muss WLAN-Firmware sperren„. Dort war zu lesen, dass der Hersteller TP-Link es in Zukunft verhindern werde, dass man die auf den Geräten laufende Software, die sogenannte Firmware, austauschen kann.

Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, entspricht das nicht ganz der Wahrheit. Auf Nachfrage erhielten wir heute folgende Antwort vom TP-Link Support:

Als Reaktion auf die neue Funkregulierung der EU und von Nordamerika bringt TP-LINK Produkte mit länderspezifischer Firmware auf den Markt. Die länderspezifische Firmware ist gesetzeskonform mit den jeweils vorherrschenden Funkrichtlinien. So sind bei der Firmware für den deutschen Markt die hierzulande erlaubten Sendeleistungen und WLAN-Frequenzen ab sofort voreingestellt. Unsere Firmware-Versionen basieren weiterhin auf offenem Quellcode. Auch die Hardware bleibt unverändert. TP-LINK übernimmt keine Garantie für Geräte mit alternativer Firmware.

Dieses offizielle Statement ist auch auf der Facebok-Seite von TP-Link zu finden. Auch Heise hat inzwischen mit einem neuen Artikel “TP-Link: Neue offene Firmware für länderspezifische Router” auf das Statement reagiert.

Somit steht fest, dass sich etwas ändern wird. Dies wird aber nicht wie befürchtet dazu führen, dass man keine Anpassungen mehr an der Firmware vornehmen kann.

Da auch uns dazu in den letzten Tagen Fragen erreicht, haben möchten wir hier versuchen  einmal die Hintergründe in Form einer kurzen FAQ zu dem Thema erläutern.

Was hat das mit Freifunk zu tun?

TP-Link ist einer der wenigen Hersteller von WLAN-Geräten, welcher es dem Besitzer sehr leicht macht die Firmware auszutauschen. Daher sind Gerate von TP-Link unter anderem in der Freifunk Community sehr beliebt. Die Freifunk-Firmware kann auch auf Geräten anderer Hersteller eingesetzt werden, jedoch ist die Installation meist deutlich aufwendiger.

Warum sollte man überhaupt die Firmware austauschen können?

Weil die Geräte meistens viel mehr oder andere Dinge tun können, als die Hersteller mit Ihrer Firmware ermöglichen, oder aber weil oft nach relativ kurzer Zeit keine Sicherheitsupdates mehr durch den Hersteller bereit gestellt werden und man daher als Nutzer zu regelmäßigen, aber völlig unnötigen Gerätewechseln gezwungen wird.

Das kann dem Hersteller doch egal sein?

Jain. In den meisten Geräten, angefangen von Smartphones über Netzwerkgeräte bis hin zu Heimelektronik wie Fernseher, Blu-Ray Playern, etc. , kommen immer wieder die selben Bauteile zum Einsatz. Als Betriebssystem läuft in den meisten Fällen das freie Betriebssystem Linux samt diverser freier Software.

Die Hersteller bedienen sich also einem großen Baukasten freier Software. Die meisten freien Softwarelizenzen verlangen das Kenntlichmachen und Offenlegen der verwendeten freien Software. Somit ist sichergestellt, dass Verbesserungen an freier Software auch wieder der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.

Für die Gerätehersteller hat dieses Baukastenprinzip den Vorteil, viel weniger Ressourcen in eigene Entwicklung zu stecken und somit letztenendlich eine Menge Geld zu sparen. Der Anwender hat den Vorteil, dass die weltweite Entwicklergemeinde häufig viel schneller auf Sicherheitslücken reagiert als Anbieter mit eigenen Lösungen, welche oft erst abwägen, ob es sich lohnt ein Update für ein zwei Jahre altes Gerät zu entwickeln.

Wenn ein Gerätehersteller freie Software einsetzt, nun aber mit allen Mitteln verhindert, dass eigene, angepasste Versionen der damit erstellen Firmware auf seinen Geräten betrieben werden können, ist der Nutzen dieser Offenlegung für die Allgemeinheit nur sehr gering bis nicht existent. Somit verletzen Hersteller indirekt, jedoch völlig legal, das Grundprinzip hinter freier Software.

Aber der Gesetzgeber zwingt die Hersteller doch dazu!

Das stimmt so nicht. Es wird in den USA und Europa lediglich gefordert, dass die Hersteller sicherstellen müssen, dass ihre Geräte mit den Richtlinien in den jeweiligen Ländern konform sind. Und dies hat teilweise durchaus gute und  nachvollziehbare Gründe.

Dazu ist es aber lediglich notwendig die Funkmodule entsprechend abzusichern. Zum Beispiel könnten die Funk-Chips nur noch Treiber akzeptieren, welche vom Hersteller digital signiert sind. Das Gegenstück zum Prüfen dieser digitalen Signaturen würde bei der Produktion der Geräte einmalig in die Funk-Chips geschrieben. Das heisst beispielsweise, dass der Funk-Chip, welcher in einem Gerät für den deutschen Markt verbaut wurde, nur noch den Treiber akzeptiert, den der Hersteller auf den deutschen Markt angepasst und digital signiert hat. Diese entsprechend signierten Treiber können die Hersteller öffentlich bereitstellen, so dass diese wiederum in angepasster Firmware, wie der von Freifunk, verwendet werden kann.

Ähnliches Prinzip gab es schon einmal: DVD-Player erlaubten häufig nur wenige Male den sogenannten Regional-Code zu ändern, bis dieser für immer im Gerät hinterlegt war. Dies verhinderte, dass man, wenn DVDs in anderen Regionen früher erscheinen, nicht einfach importieren anschauen konnte.